Gesundheit

Prinzipiell ist der Cavalier King Charles Spaniel ein robuster und wenig krankheitsanfälliger Hund, der natürlich wie jeder andere Hund auch einmal eine Magen-Darm-Schleimhautentzündung oder eine Atemwegserkrankung haben kann. Sollte es einmal dazu kommen, ist dies aber meist mit einem kurzen Tierarztbesuch erledigt. Viel problematischer bei Cavalieren sind allerdings Erbkrankheiten, weswegen wir im Folgenden auf diese genauer eingehen wollen.

Obwohl die Cavalier King Charles Spaniels heute weit verbreitet sind und es eine Vielzahl an Tieren gibt, so stammen diese mehrheitlich von einer kleinen Anzahl an Cavalieren ab. Diese geringe genetische Variabilität der Individuen führt leider dazu, dass rezessive Erbkrankheiten in der Rasse vermehr auftreten, wenn die Zuchttiere nicht alle gesundheitlich untersucht und  auch die Verpaarungen gewissenhaft ausgewählt werden. Daher sollte es das Ziel eins jeden verantwortungsbewussten Züchters sein gesundheitlich einwandfreie Hunde zu züchten. Zudem gibt es eine Reihe strenger Regeln der Zuchtvereine für die Zulassung von Zuchthunden, die in der Zuchtordnung festgelegt sind. Trotz dieser sorgfältigen Kontrollen sollte jeder Cavalier-Besitzer über potentielle Krankheiten Bescheid wissen:

Augenerkrankungen 
treten eher selten und weniger gravierend auf. Es gibt beispielsweise die Retinadysplasie (RD) (eine Fehlbildung der Netzhaut) und den erblich bedingten Katarakt (Linsentrübung; grauer Star). Behandlung einer RD ist nicht möglich.

Herzkrankheiten
treten meist durch Mitralklappen - Insuffizienz (MVD) (leistungsschwache
herzSegelklappe zwischen Vorhof und linker Hauptkammer) auf. Dies kann vor allem im Alter zu Problemen führen und sich auch durch falsche Ernährung der Hunde verschlimmern. Eine frühzeitige Behandlung ist hier jedoch meist erfolgreich.

Gelenkerkrankungen
Eine doch häufiger auftretende Krankheit ist die Patellaluxation (PL) (Verschiebbarkeit der Kniescheibe).  Ein selbständiges Herausspringen der Kniescheibe aus der Gleitrinne kann zu Schmerzen und Unbeweglichkeit des Hundes führen. Eine Behandlung ist durch Bewegungstherapie oder notfalls auch mittels einer Operation möglich.
Eine weitere genetisch bedingte, jedoch sehr seltene Gelenkserkrankung ist die Hüftdysplasie (HD) (Fehlbildung des Hüftgelenks). Die dadurch entstehende abnormale Beweglichkeit des Hüftgelenks kann zu Schmerzen, Arthrose und sogar Lahmheit führen.

Syringomyelie (SM)
ist wohl eine der schlimmsten bei Kleinhunden auftretenden Krankheiten. Es handelt sich um eine anatomische Veränderung des Gehirns die zu einer Zirkulationsstörung der Gehirnflüssigkeit mit Stau im Rückenmark führt. Anfangs zeigt sich ein Scheinkratzen an Hals und Schultern, bei dem das Fell überhaupt nicht berührt wird. Später kommt es bei dieser Krankheit zu vielen Symptomen wie Lähmungen sowie Bewegungs- und Empfindungsstörungen durch Nervenausfälle.

Erbkrankheiten
Eine rezessive monogene Erbkrankheit tritt durch den Defekt eines einzigen Gens auf und führt nur dann zur Krankheit, wenn beide Versionen des Gens betroffen sind. Ein Hund, bei dem beide Versionen seines Gens defekt sind, wird als affected / betroffen bezeichnet. Ist bei einem Hund nur eine Version eines Gens defekt, so ist er vollkommen klinisch gesund, kann aber die Krankheit weitervererben und wird somit als Carrier / Träger bezeichnet. Sind beide Versionen eines Gens gesund, ist der Hund clear / frei.
Rezessive Erbkrankheiten treten umso häufiger auf, je geringer die genetische Variabilität ist also je näher verwandt die Hunde einer Rasse sind. Bei Inzucht besteht also eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass zwei defekte Gene aufeinander treffen und so eine rezesive Erkrankheit auftritt. Daher sollte bei der Zucht möglichtst darauf geachtet werden, dass keine Verpaarungen von Hunden mit gleichen Vorfahren vorgenommen werden.
Die bei Cavalieren bekanntesten rezessiven  Erbkrankheiten sind:

Episodic Falling Syndrome (EFS) ist eine Erbkrankheit, die ausschließlich bei Cavalieren vorkommt, bei denen ein beträchtlicher Teil von 12,5% der Hunde Carrier ist. Symptome dieser Krankheit sind immer wieder spontan nach Stress oder Anstrengung auftretende Muskelverkrampfungen. Diese führen meist zu Bewegungsunfähigkeit und Umfallen des Hundes bei vollem Bewusstsein. Diese Art Krämpfe sind meist nicht schmerzhaft und werden durch neurologische Fehlfunktionen ausgelöst. EFS ist therapierbar und hat keine weiteren Auswirkungen auf die Gesundheit des Hundes.

Curly Coat und Dry Eye Syndrome sind die Symptome einer autoimmunen Erbkrankheit, die auf den Defekt desselben Gens zurückzuführen sind und somit meistens zusammen auftreten. Zirka 11% aller Cavaliere sind Carrier für diese schwere und unheilbare Krankheit.
Als Dry Eye wird die durch Zerstörung der Tränendrüsen chronisch vorliegende Trockenheit der Augen bezeichnet, was schnell zu einer Hornhautentzündung führen kann und daher ständig behandelt werden muss.
Curly Coat tritt nur zusätzlich bei stark von Dry Eye betroffenen Hunden auf und ist von Geburt an sichtbar. Die Krankheit ist dann schon an dem stark gelockten Fell der Welpen sichtbar, später entwickelt sich eine sich schuppende, entzündete, fettige Haut, was für die betroffenen Cavaliere sehr schmerzhaft ist. Im Prinzip ist diese Krankheit nur schwer bis gar nicht behandelbar und betroffene Cavaliere müssen häufig eingeschläfert werden.

Seit 2011 gibt es DNA-Tests des Animal Health Trust Instituts in England für diese Erbkrankheiten, mit denen festgestellt werden kann, ob ein Hund Carrier oder sogar betroffen von der Krankheit ist. Alle unsere Hunde wurden bereits getestet und sind clear / frei, d.h. weder Träger noch betroffen von diesen Krankheiten.

Die genetische Situation der Cavalier King Charles Spaniels und somit deren Gesundheit könnte deutlich verbessert werden, wenn das Verpaaren von verwandten Hunden unzulässig und auf der anderen Seite das Kreuzen von whole- mit parti-colours von allen Vereinen zulässig gemacht würde. buch-hundezucht-kosmos

Informationen zu den Grundlagen der Genetik in der Hundzucht sind in dem vom VDH besonders für Züchter empfohlenen Buch "Hundezucht" des Kosmos-Verlags zu finden.
Ein weiteres empfehlenswertes Buch ist das "Handbuch der
Hundezucht" von Inge Hansen (mit großem homöopathischem Ratgeber).